Vom Taler zum Dollar

500 Jahre Prägung des (Joachims-)Thalers


Vorläufer des Talers

Als Taler wird eine vom 16. bis zum 19. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich geprägte große Silbermünze bezeichnet. Seine unmittelbare Vorgeschichte beginnt mit der Ausbreitung kleiner Goldmünzen von Italien her: in Florenz entstand der Goldgulden (Floren), in Venedig der Dukat. Beide waren als überregionale Münzeinheiten für den Transfer größerer Summen konzipiert worden und breiteten sich rasch auch in das Deutsche Reich aus.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren im gesamten Mittelalter (ca. 800-1300) nur kleine Silbermünzen in Nachfolge der karolingischen Pfennige gemünzt worden. Die Erschließung neuer Silbervorkommen sowie der daraus resultierende verstärkter Silberbergbau in Mitteleuropa ermöglichte nun die Prägung großer Silbermünzen, die in ihrem Wert einem Goldgulden entsprachen.

Thaler Tirol

TIROL, GRAFSCHAFT. Erzherzog Sigismund, der Münzreiche (1446-1496). Guldiner 1486, Hall. Stehender gekrönter und geharnischter Erzherzog v.v. mit Zepter // Nach rechts sprengender Turnierreiter.

Diese Silbermünzen wurden zunächst nicht als Taler bezeichnet, sondern wegen ihrer Gleichwertigkeit mit dem Goldgulden als Guldengroschen oder Guldiner. Wichtiger Vorgänger des Joachimsthalers war der aus Tiroler Münzstätte Hall stammende, erstmals 1486 geprägte Guldengroschen Erzherzog Sigismund des Münzreichen sowie die hauptsächlich aus dem erzgebirgischen Annaberg stammendem sächsische Guldengroschen, die aufgrund ihres Münzbildes auch als Klappmützentaler bekannt wurden. Ihr Feingewicht betrug 27,41 g.

Erste Ausprägung der Joachimsthaler von 1519 bis 1529

Eine besondere Bedeutung bei der Verbreitung dieser Silbermünzen kam dem Joachimsthaler Guldiner zu, von dem sich die Kurzbezeichnung T(h)aler ableitete. Die überregionale Bedeutung des Joachimsthalers zeigte sich an der Übernahme des Wortes in andere Sprachen. Vom zweiten Wortteil leiten sich ab der tschechische tolar, der polnische talar, der italienische tallero, der niederländische daalder und der englische dollar. Aus dem ersten Wortbestandteil leiten sich ab der italienische Joachimico, der französische Jocondales, der polnische Joachimik sowie der russische Jefimok.

Nach der Entdeckung von Silbervorkommen an der Südseite des Erzgebirges wurde 1516 die Bergstadt St. Joachimsthal gegründet. Am 9. Januar 1520 erhielt die Bergstadt Joachimsthal, heute Jáchymov, das Münzrecht. Vermutlich bereits ein Jahr zuvor, 1519, sollen die ersten Joachimsthaler in den Kellergewölben der Burg Freudenstein geprägt worden sein. In diesem Zusammenhang werden Münzmeister aus Nürnberg und Leipzig erwähnt.

Die Prägung wurde veranlasst durch die Grafen Schlick (Šlikové). Der Aufstieg der Familie begann in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als Kaspar Schlick für seine diplomatischen Dienste von Kaiser Sigismund geadelt, zum Freiherrn (1422) und Reichsgrafen (1437) erhoben wurde.

Wappen der Grafen Schlick

Wappen der Grafen Schlick (aus einem Wappenbuch um 1550/1574, Abb. www.wikipedia.org)

Die Familie besaß zahlreiche Besitztümer in Böhmen, so von 1434 bis 1585 die Herrschaft Schlackenwerth (Ostrov) mit den Bergwerken von St. Joachimsthal und Heinrichsgrün, in denen Silber, Zinn, Eisenerz und Blei abgebaut wurde. Hinzu kamen die Grafschaften Passaun (Bassano) in Norditalien und Weißkirchen (Holíč) in der heutigen Westslowakei, daneben auch die Herrschaft Falkenau an der Eger mit Sitz auf Schloss Sokolov sowie Grundbesitz bei Elbogen (Loket) und Eger.

Nach den Silberfunden zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte die Familie das bisher nur dem König zustehende Münzregal an sich gebracht. Offiziell erlaubte erst ein böhmischer Landtagsbeschluss vom 9. Januar 1520 den Grafen die Prägung größerer Groschen im Wert des rheinischen Goldguldens sowie seiner Teilstücke. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Grafen das gewonnene Silber an Nürnberger Handelshäuser verkauft. Mit dem zu Münzen geprägten Silber ließen sich nun wesentlich höhere Gewinne erzielen.

König Ludwig II. von Böhmen (1522-1526) bestätigte die Privilegien für Joachimsthal, ließ aber das Münzprivileg unberücksichtigt. Er hat die Schlick‘schen Münzprägung nie genehmigt, sondern nur geduldet.

Am 21. Juni 1520 bat Stephan Schlick den sächsischen Kurfürsten, die Joachimstaler auch in Sachsen umlauffähig zu machen, da sie uf der Fürsten von Sachsen Schrot und Korn geprägt worden seien. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise entsprach der Bitte am 3. Juli 1520.

Joachimstaler

SCHLICK, GRAFSCHAFT. Stephan, Burian, Heinrich, Hieronymus und Lorenz (1505-1532). Taler 1526, Joachimstal,  Ausbeute der Joachimstaler Grube. Stehender hl. Wenzel, davor Schild // Böhmischer Löwe nach links steigend.

Die eine Seite der Joachimstaler zeigt den hl. Joachim sowie das Wappen der Grafen von Schlick, die andere einen doppelt geschwänzten und gekrönten böhmischen Löwen. Die Auflösung der Umschrift auf der Vorderseite lautet: Arma Dominorum Slickorum Stephani et septem fratrum comitum de Bassano (Wappen der Herren von Schlick, Stephan und sieben Brüder, Grafen von Bassano). Der Revers nennt mit König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn den obersten Lehensherren der Grafen. Die Leipziger Probationsakten verzeichnen von Mai 1520 bis April 1528 2,08 Millionen Joachimstaler (einschließlich der Teilstücke). Auf Betreiben des böhmischen Königs und späteren Kaisers Ferdinands I. wurde die Prägetätigkeit in Joachimstal im Frühjahr 1528 eingestellt.

Der Taler wird offizielles Zahlungsmittel im Reich

Die sich ausbreitenden Talerprägungen zu Beginn des 16. Jahrhunderts unterschieden sich in Schrot (Raugewicht) und Korn (Feingehalt) sowie in ihrer Wertigkeit gegenüber den umlaufenden Kleinmünzen. Dem Bedürfnis nach einer reichsweiten Standardisierung kam Kaiser Karl V. 1524 mit dem Erlass einer Ersten Allgemeinen Münzordnung nach. Es sollte eine im ganzen Reich einheitliche und überall kursfähige silberne Großmünze definiert werden, die die verschiedenen Münzherren nach einheitlichem Münzfuß, aber verschiedenem Gepräge herausbringen sollten und konnten.

taler sachsen

SACHSEN, HERZOGTUM. Johann Friedrich II. (1557-1567). Reichstaler 1566, Saalfeld. Gemeinschaftsprägung mit seinem Bruder Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar. Geharnischte Hüftbilder nach rechts bzw. nach links.

Nach wenig erfolgreichen Versuchen, eine als Reichsguldiner bezeichnete Großsilbermünze zu etablieren, ließ die Reichsmünzordnung von 1566 den in Nord-, West- und vor allem in Mitteldeutschland mit dem silberreichen Sachsen verbreiteten Reichstaler als offizielles Geld des Reiches zu. Offiziell besaß der Reichstaler einen Feingehalt von 889/1000, was bei einem Raugewicht von 29,23 g ein Feingewicht von 25,98 g bedeutete. Aus einer Kölner Mark Silber (233,85 g) sollten künftig neun Taler ausgeprägt werden (sog. 9-Taler-Fuß). Die Bezeichnung Reichstaler bürgerte sich auch für einen gegenüber Veränderungen des Münzfußes unabhängigen Wertstandard in der Buchführung ein (sog. Rechnungsmünze).

Für die von 1566 bis 1750 im dem Habsburgischen Erblanden ausgegebenen Taler mit dem Bildnis des Kaisers bzw. der Erzherzöge galten eigene Münzgesetze. Ihr Schrot und Korn war im Vergleich zu den Reichstalern geringer.

Aus der Zeit um 1540 stammen die ersten Valvationstabellen, die das Wertverhältnis der einzelnen regionalen Talermünzen zum theoretischen Reichstaler im gesetzlich vorgegebenen, reichsweiten Münzfuß, widerspiegelten. Diese Tabellen wurden – auch in bebilderter Form – von den Reichs- und Probationstagen, von privaten Handelshäusern und Druckereien bis etwa 1870 herausgegeben. Sie begannen gewöhnlich mit den vollwertigen und endeten mit den unterwertigsten Talermünzen und deren Teilstücken.

Neue Probleme infolge der Verminderung des Feingehaltes

Anfänglich wurde der Feingehalt sehr genau eingehalten. Die anfängliche Wertgleichheit zwischen Goldgulden und dem silbernen Guldiner um 1500 entwickelte sich in der Folgezeit aufgrund der Verringerung des Silberfeingehaltes durch die Münzherren und der relativen Wertzunahme des Goldes zum Silber langsam auseinander.

Um 1570 waren die Kleinmünzen von ihrem Silbergehalt her als vollwertiges Kurantgeld zu bewerten. Ab ca. 1600 sanken sie zu nur noch schwer in Kurantwährung zu wechselnden Scheidemünzen herab, deren Silbergehalt deutlich unter den Vorgaben der Reichsmünzordnungen lag. Insbesondere von 1618 bis 1623 setzte ein starker Wertverfall der Kleinmünzen durch eine massive Verschlechterung des Feingehaltes ein, die sog. Kipper- und Wipperzeit. Unter Umgehung der Reichsmünzordnung wurden nun stark kupferhaltige Kippertaler in sog. Heckenmünzen geprägt.

Speciestaler 1741

BRANDENBURG-PREUSSEN, KÖNIGREICH. Friedrich II., der Große (1740-1786). Speciestaler 1741 EGN, Berlin. Geharnischtes Brustbild nach rechts // Gekrönter Adlerschild auf Barockkartusche.

Der gute Reichstaler wurde mit dem fortschreitenden 17. Jahrhundert immer mehr zu einer reinen Rechnungseinheit, er wurde kaum noch ausgeprägt. Taler, die nach dem Erlass des Jahres 1566 geprägt wurden, hießen im deutschsprachigen Raum Reichstaler oder schlicht Taler, wenn dem Kontext zu entnehmen war, dass von einer Münze die Rede war. Man sprach von Speciesthalern, Reichsthalern species oder gemünzten Thalern, sobald klarzustellen war, dass eine Münze und nicht die Rechnungseinheit gemeint war. Preise wurden bei den überregionalen Kaufleuten immer in der Rechnungseinheit Reichstaler angegeben, bezahlt wurde aber dann mit dem regionalen Geld, was dann einen Umrechnungskurs zum theoretischen Reichstaler zur Folge hatte. Bewertet wurde der Reichstaler in Norddeutschland mit 24 Groschen und in Süddeutschland mit 90 Kreuzern.

Versuch der Erneuerung durch den Konventionstaler in Süddeutschland

Ausgehend von Österreich und Bayern wurde im Jahre 1750/1753 der Konventionstaler eingeführt; nun sollten zehn Stück aus der feinen kölnischen Silbermark (ca. 234 g) ausgeprägt werden, was eine Reduzierung des Feingehalts (nun 23,385 g) zur Folge hatte. Der neue Talertyp verbreitete sich rasch nach Norden und wurde z.B. auch in Sachsen eingeführt, wo 1838 der letzte Konventionstaler geprägt wurde.

BAYERN, KURFÜSTENTUM, Maximilian III. Joseph (1745-1777). Konventionstaler 1768 A, Amberg, sog. Arslani-Taler. Von aufrechtem, nach links stehenden Löwen mit Schwert gehaltene Wappenkartusche mit Fürstenhut // Fünf Zeilen Schrift auf gekreuzten Lorbeerzweigen.

Nördlich des Rennsteigs entsprach der Konventionstaler damit genau zwei Gulden oder 32 Groschen. Diese Parität bestand allerdings nicht zum geringer wertigen süddeutschen Kleingeld, hier lag sie bei zwei Gulden und 12 Kreuzern. Der Guldenfuß wurde daher 1760 angepasst. Der Konventionstaler war nun 32 Groschen wert, im Gegensatz zum alten Reichstaler, der zu 24 Groschen gerechnet wurde. Umgerechnet in den theoretischen (Zähl-)Reichstaler des alten deutschen Reiches zu 24 Groschen entsprach der Konventionstaler einem 13⅓-Talerfuß (13 1/3 Stück aus der feinen Silbermark zu 233,855 g) anstelle des 1566 vereinbarten 9-Taler-Fußes.

Der Reichstaler preußisch

Parallel hierzu wurde in Preußen unter dem Finanzpolitiker und Geldtheoretiker Johann Philipp Graumann eine Talerprägung im 14-Taler-Fuß entwickelt (14 Stück aus der Mark Silber). Dieser war also leichter und somit weniger wert. Er galt zunächst 24 Gute Groschen, ab 1821 dann 30 Silbergroschen. Er wurde künftig als Reichsthaler preußisch bezeichnet. Der Begriff Reichstaler wurde ab 1800 zum Taler verkürzt und ab 1857 in den Ländern des Deutschen Zollvereins in Vereinstaler umbenannt.